Zum Schuljahr 2029/30 sollen Schulen in Schleswig-Holstein Friesisch als reguläres Schulfach anbieten können, sofern die Nachfrage und die personellen Voraussetzungen gegeben sind. Bildungsministerin Dr. Dorit Stenke (CDU) stellte den Fahrplan dafür bei der 70. Sitzung des Gremiums für Fragen der friesischen Volksgruppe im Kieler Landeshaus am 26. Oktober vor.
Ingwer Nommensen, Vorsitzender der Frasche Rädj / Friesenrat Sektion Nord, bezeichnete die geplante Einführung als anerkanntes Schulfach als wichtigen und richtigen Schritt zur Aufwertung des Friesischen: „Der Friesenrat wünscht sich ein flächendeckendes, qualitativ gutes Angebot von Friesisch als neu zu erlernende und fortgeführte Sprache in allen Schulformen. Die Einführung als anerkanntes Schulfach stellt hier einen wichtigen und richtigen Schritt zur Aufwertung des Friesischen dar. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen in den kommenden Jahren die nötigen Rahmenbedingungen in der Ausbildung von Lehrkräften und an den Schulen geschaffen werden.”

„Friesisch ist ein lebendiger Teil unserer kulturellen Identität in Schleswig-Holstein. Damit die Sprache auch an kommende Generationen weitergegeben werden kann, braucht sie einen festen Platz in unseren Schulen. Dafür müssen wir nicht nur den Unterricht stärken, sondern auch mehr Lehrkräfte gewinnen und qualifizieren. Mit dem neuen Friesischerlass haben wir einen ersten Schritt gemacht. Unser Ziel ist es, dass Schulen ab dem Schuljahr 2029/30 Friesisch als reguläres Schulfach anbieten können, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Damit geben wir dem Friesischunterricht eine langfristige Perspektive“, erklärt Stenke. Auch Johannes Callsen, Minderheitenbeauftragter des Ministerpräsidenten, begrüßte die Pläne und betonte, dass ein verlässlicher Friesischunterricht ein wichtiger Baustein sei, damit die Sprache im Alltag lebendig bleibe.
Ab 2027 sollen Fachanforderungen für Friesisch in der Sekundarstufe I und II sowie für Regional- und Minderheitensprachen an Grundschulen erarbeitet oder weiterentwickelt werden. Zugleich will das Land mit den Hochschulen über Friesisch als reguläres Lehramtsfach sprechen und zusätzliche Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte prüfen. Als ersten Schritt nannte Stenke den seit dem 1. August 2026 geltenden Friesisch-Erlass, der Schulen mehr Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Im Schuljahr 2026/27 bieten neun Schulen Friesischunterricht an, darunter zwei Schulen der dänischen Minderheit. Die Zahl der Schulen mit Friesischunterricht ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Entscheidend für den Erhalt des Angebots sind nach Angaben des Landes qualifizierte Lehrkräfte sowie die Verlässlichkeit des Angebots für die Schülerinnen und Schüler.
Das „Gremium für Fragen der friesischen Volksgruppe im Lande Schleswig-Holstein“ (Friesengremium) wird in jeder Wahlperiode vom Landtagspräsidenten berufen. Es tritt zweimal im Jahr zusammen, arbeitet seit 1988 und gewährleistet den kontinuierlichen Informationsaustausch sowie die Unterstützung bei allen Fragen, die die nordfriesische Volksgruppe im Land betreffen, mit dem Ziel, die friesische Sprache, Bildung und Kultur zu pflegen und zu fördern. Den Vorsitz hat die Landtagspräsidentin Kristina Herbst. Neben Mitgliedern des Schleswig-Holsteinischen Landtages, schleswig-holsteinischen Bundestagsabgeordneten und dem Minderheitenbeauftragten Johannes Callsen nehmen auch Vertreterinnen und Vertreter der Nordfriesischen Volksgruppe u.a. vertreten durch den Frasche Rädj / Friesenrat Sektion Nord teil.