600 Jahre Mut zur Freiheit: Festakt feiert nordfriesisches Erbe auf Föhr

Am Mittwoch, dem 17. Juni, war die St.-Nicolai-Kirche in Boldixum auf Föhr der historisch passende Ort für eine Feier der besonderen Art: 600 Jahre nach der Verschriftlichung der nordfriesischen Volksrechte kamen auf Einladung des Nordfriisk Instituts und des Friesenrates Gäste zusammen, um diesen Akt der Selbstbehauptung zu würdigen und zu feiern. Mit Musik, Tanz und wissenschaftlichem Tiefgang würdigten die Gäste ein Ereignis, das bis heute nachwirkt.

Die Kirche St. Nicolai, Boldixum, ist gefüllt mit Gästen zuFestakt: 600 Jahre Friesische Freiheit in Nordfriesland.

Ein Jahrestag mit Symbolkraft

1426 legten die Friesen mit der „Siebenhardenbeliebung” und der „Eiderstedter Krone der rechten Wahrheit” erstmals ihre angestammten Volksrechte schriftlich nieder. Was damals ein Akt der Auflehnung gegen den dänischen König und den Herzog von Schleswig war, gilt heute als Ausdruck einer eigenständigen Rechtskultur. Mit diesen beiden Dokumenten wurden den Nordfriesen im damaligen Herzogtum Schleswig Sonderrechte zugesprochen und bestehende Rechtsnormen näher bestimmt, beispielsweise im Straf- und Vermögensrecht sowie insbesondere im Erbrecht. Damit konnten die Nordfriesen ihre Autonomie auch rechtlich bewahren und das alte friesische Recht durch Feststellung und Aufzeichnung gegen fremde Einflüsse absichern. Bei dem Festakt auf Föhr ging es nicht um eine verstaubte Vergangenheit, sondern um aktuelle Fragen wie Selbstbestimmung, gute Gemeinschaft und Mitsprache.

Wissenschaft trifft Feierlichkeit

Im Zentrum stand die Festrede von Prof. Dr. Andreas Deutsch, in der er die historische Tiefe der „Siebenhardenbeliebung“ beleuchtete und sie aus heutiger Perspektive betrachtete. In den Grußworten von Johannes Callsen (Minderheitenbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein), Ingwer Nommensen (Friesenrat Sektion Nord e.V. – zugleich überbrachte er die Grüße des Präsidenten des Interfriesischen Rates, Arno Ulrichs) sowie Dr. Perry Lange (Kreis Nordfriesland) und Bahne Bahnsen (Vizepräsident der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten) wurde die Bedeutung der Rechtstexte zusätzlich hervorgehoben. Unter den Gästen aus Landes-, Bundes- und Kommunalpolitik sowie aus nordfriesischen Vereinen und Verbänden – darunter Friisk Foriining, die Ferring Stiftung, der Verein Nordfriesisches Institut e. V. und Öömrang Ferian e. V. – befand sich auch Roman Kühn, der Leiter des Minderheitensekretariats in Berlin. Für die gebotene Festlichkeit sorgten Musik und Tanz in friesischer Tradition von der Trachtengruppe Wyk, dem Männergesangverein Föhr West, den Feer Ladies sowie Musik von der „friesischen Hummel“.

Christoph G. Schmidt, der Direktor des Nordfriisk Instituuts, betonte, dass die Landrechte von 1426 kein trockenes Paragrafenwerk waren, sondern einen Überlebensgarant für die Gemeinschaft darstellten. Der Festakt auf Föhr bildete den Höhepunkt einer Veranstaltungsreihe zum Thema „Rechte und Freiheit” mit Fachvorträgen, Podcast-Formaten und Diskussionsrunden für Schulen und Jugendgruppen.

Die friesische Sprache und Kultur müssen sichtbar sein

In seinem Grußwort lobte der Vorsitzende des Friesenrates, Ingwer Nommensen, der auch den Interfriesischen Rat vertrat, die Bedeutung von Jubiläen, Chroniken und Aufzeichnungen für die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität: „Zur Entwicklung einer friesischen Perspektive brauchen wir den gemeinsamen Willen und den Mut, uns klare Ziele zu setzen. Eine Beliebung der friesischen Sprache und Kultur. Die friesische Sprache muss in allen gesellschaftlichen Bereichen sichtbar, anerkannt und präsent sein.“ Nommensen blickte nach vorn und formuliert eine klare Botschaft: „Wir sind es, die den Willen und den Mut haben müssen, unsere Umwelt so zu gestalten, dass wir unsere Sprache und Kultur täglich leben können. So wie die Friesen vor 600 Jahren ihre Rahmenbedingungen gestaltet haben, so müssen auch wir unsere Rahmenbedingungen gestalten.“

„Sü lung as dåt wååder kamt än dåt wååder gungt. E win wait än e losch schungt. Sü lung ban ik em et frasch ai trung.”

Geselliger Ausklang

Zum Ausklang des Festaktes trafen sich die Gäste in der Nationalparkhalle in Wyk zu einem Imbiss und einem geselligen Beisammensein. Dank der Förderung durch das Bundesministerium des Innern, die Friesenstiftung und die Ferring Stiftung war die Veranstaltung – Bustransfer, Festakt, Imbiss und Rückfahrt – kostenfrei.

Der Festakt machte deutlich, dass die „Siebenhardenbeliebung” und der „Eiderstedter Krone der rechten Wahrheit” von 1426 keine statische Angelegenheit sind, sondern auch heutzutage noch eine Wirkung haben. Die Botschaft: Das friesische Erbe kein Museum ist, sondern ein Auftrag für die Gegenwart.